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Schwangerschaftsdiabetes

Von einem Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes (abgekürzt: GDM) bezeichnet, wird dann gesprochen, wenn erstmals in der Schwangerschaft eine Glukosetoleranzstörung auftritt.
Schwangerschaftsdiabetes zählt zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen. Ursache ist die vermehrte Ausschüttung verschiedener Schwangerschaftshormone (HCG, Plazentalaktogen, Progesteron, Östrogene u. Kortisol), die als Gegenspieler des Insulins (= blutzuckersenkendes Hormon) fungieren.
Es kommt zur Insulinresistenz: der Zucker, welcher über die Nahrung aufgenommen wird, bleibt länger im Blut). Die Bauchspeicheldrüse erhöht die Insulinausschüttung. Reicht diese nicht aus, kommt es zum Gestationsdiabetes.

Risikofaktoren dafür sind:
- Alter über 35 Jahren
- Übergewicht: Body-Maß-Index vor der Schwangerschaft > 30 kg/m²
- Eltern oder Geschwister mit Diabetes mellitus Typ 2
- Geburt eines Kindes mit Geburtsgewicht > 4500 g
- Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
- Mehr als 3 Fehlgeburten in der Vorgeschichte
- Polyzytisches Ovarsyndrom (PCO-syndrom)

Zur Feststellung, ob ein Gestationsdiabetes vorliegt, werden bei allen Schwangeren zwischen der 24.und 28. Schwangerschaftwoche ein Screnning, eine Art Suchtest (OGTT = oraler Glukosetoleranztest) durchgeführt.
Hierbei gibt es 2 Möglichkeiten. In beiden Fällen bekommen die Patientinnen eine Zuckerlösung zu trinken.
1. 50 g Glukose aufgelöst in 200ml Wasser unabhängig von Tageszeit und letzter Nahrungsaufnahme. Dabei wird die Blutglukose nach 1 Stunde im venösen Plasma gemessen. Liegt der Wert über 135 mg/dl, erfolgt der 2. Test mit 75g Glukose in 300ml Wasser.
2. 75 g Glukose aufgelöst in 300ml Wasser nüchtern. Hierbei wird dreimal der Blutzucker im venösen Plasma gemessen: nüchtern (Grenzwert: <92mg/dl), nach 1 Stunde (Grenzwert: <180mg/dl) und nach 2 Stunden (Grenzwert: < 153mg/dl). Wird bereits ein Grenzwert während dieses Test überschritten, gilt die Diagnose Gestationsdiabetes als gesichert.
Wichtig: Eine Messung des HbA1c, des Glukosegehaltes im Urin, des Nüchternblutzuckers oder die Bestimmung der Blutglukose in der Fingerbeere, ist nicht zulässig zur Diagnosensicherung.

Behandlung:
Wurde die Diagnose Gestationsdiabetes gestellt, beginnt zunächst die Therapie durch eine Ernährungsumstellung. Dies wird in Form von einer Schulung vermittelt. Dabei ist es wichtig, den Blutzucker täglich vor (Grenzwert: < 95mg/dl) und 1 Stunde nach den Mahlzeiten (Grenzwert: < 140mg/dl) zu messen. Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus, da die Grenzwerte bei den Blutzuckermessungen überschritten werden, wird mit einer Insulintherapie begonnen. Diabetesmedikamente sind hierbei nicht zugelassen.

Risiken:
Kind:
- Schnelles, unproportioniertes Wachstum (asymmetrische Makrosomie)
- Organunreife
- Verminderter Lungenreifefaktor -> Atemnotsyndrom
- Unterzuckerung nach der Geburt

Mutter:
- Bluthochdruck
- Praeklampsie: Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Eiweißausscheidung über den Urin
- Erhöhtes Risiko für Kaiserschnittrate aufgrund des übermäßigen Wachstums des Kindes

Nachsorge:
Wurde innerhalb der Schwangerschaft ein Gestationdiabetes entwickelt, sollte unmittelbar nach der Geburt der Blutzuckerspiegel von Mutter und Kind überwacht werden. Sind die Blutzuckerwerte unauffällig, sollte spätestens nach 6-12 Wochen nach der Geburt, ein erneuter 75g OGTT bei der Mutter durchgeführt werden. Zudem sollte die Mutter darauf achten, eine bedarfsgerechte Ernährung einzuhalten, das Gewicht zu normalisieren und sich körperlich zu bewegen. Denn nach einem Gestationsdiabetes besteht ein 50%-iges Risiko, erneut einen Gestationsdiabetes in einer neuen Schwangerschaft zu bekommen und im Verlauf der nächsten 10 Jahre an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Stillen über 3 Monate senkt zum Beispiel das mütterliche Typ-2-Diabetes-Risiko.
Lisa Recktenwald


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